Freitag, 19. Mai 2017

Literatur 1918-1939: Vortragsdaten und Auftrag

24.5. Vorbereitung
31.5./ 2.6. Vorbereitung + V1
7./9.6. V2-4
14./16.6. V5-7
21./23.6. V8-10
28.6. Notenabgabe

Freitag 2.6.
1. Mirjam & Julia M.
Franz Werfel: Der Tod des Kleinbürgers (1928)


Mittwoch 7.6.
2. Sarah & Anouk
Brecht: Baal  (1918/19/23)
3. Manuel, Stefan & Julian
Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick (1930)

Freitag 9.6.
5. Vivi & Kathrin
Arthur Schnitzler: Traumnovelle  (1925)


Mittwoch 14.6.
4. Matthias Hauck & Benjamin
Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit (1927)
6. Carmen & Sandra
Erich Kästner: Fabian (1931)

Freitag 16.6.
7. Julia Zingg, Cyra
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens (1939)


Mittwoch 21.6.
8. Joel & Matthias Huber
Joseph Roth: Hotel Savoy (1924)
9. Sami & Patrick
Ernst Jünger: In Stahlgewittern (1920)

Freitag 23.6.
10. Melissa & Joëlle
Hermann Hesse: Der Steppenwolf (1927)


Mittwoch 28.6.
Notenabgabe

Auftrag

Sie setzen sich eine Lektion lang mit dem Roman auseinander und beziehen die Klasse möglichst stark mit ein.

Führen Sie in das Erzähluniversum ein: Milieu, Schauplatz, Zeitspanne, Weltbild etc.
Was macht den Charakter und das Besondere des Romans aus?
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Sprache – losgelöst vom Inhalt? (Unterschiedliche Ebenen, Wortschatz, Rhythmus, Satzbau etc.)
Unterscheidungsmerkmale? Reiz?
Was wird verhandelt?
Handlungsstränge
Haupt- und Nebenfiguren (Steckbrief, Innenwelt, Weltbild, Situation)
Spannungsbogen (Konflikte)
Erzählerstimme: Reflexion, Philosophie, Kommentar, Beschreibung, Haltung
Aufbau (Kapitel, Seitenwechsel)
Sprache, Sound, Duktus: Einzwei gute Textbeispiele vorlesen oder gemeinsam lesen
Verhandeln Sie mit der Klasse die Textauszüge, damit alle sich beteiligen können

Textauszüge immer mit der Klasse zusammen lesen, nicht nur vorlesen (Aufmerksamkeitsspanne)


websites


Freitag, 24. März 2017

Gruppenlektüre zur Epoche zwischen 1900 und 1933

Epoche des Umbruchs, des Großen Kriegs, der Depression (Wirtschaftskrise), der politischen Unstetigkeit, der Aufsplitterung des Kunstverständnisses 


Lesen in Reclam: 382-433 

offene Liste

expressionistische Literatur

Heinrich Mann: Professor Unrat (1905), Der Untertan (1918), Die kleine Stadt (1909)
Bertolt Brecht: Baal (1922), Dreigroschenoper (1927), Mann ist Mann, Trommeln in der Nacht, Im Dickicht der Städte
Carl Sternheim: Die Hose (1911); Der Snob (1914)
Marieluise Fleißer: Fegefeuer in Ingolstadt (1924), Eine Zierde für den Verein (1931), Erzählungen
Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz
Franz Kafka: Amerika, Das Schloss, Der Prozess

andere Strömungen

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törless (1906)
Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens, Brennendes Geheimnis, Brief einer Unbekannten, Verwirrung der Gefühle, Sternstunden der Menschheit, Marie Antoinette
Hermann Hesse: Der Steppenwolf, Demian, Siddharta
Thomas Mann: Der Zauberberg (1924), Buddenbrooks (1901)
Ernst Jünger: In Stahlgewittern (1920)
Frank Wedekind: Frühlings Erwachen (1891/1906)
Robert Walser: Der Räuber (1925), Geschwister Tanner, der Gehülfe, Jakob von Gunten
Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick (1930)
Franz Werfel: Abituriententag (1928), Barbara oder die Frömmigkeit (1922), Der veruntreute Himmel
Joseph Roth: Hiob (1930), Hotel Savoy (1924)
Remarque: Im Westen nichts Neues (1927)
Erich Kästner: Fabian (1931)
Arthur Schnitzler: Reigen (1903/20), Traumnovelle (1925)
Vicki Baum: Menschen im Hotel (1929)
Ödön von Horvath: Geschichten aus dem Wienerwald (1931), Glaube Liebe Hoffnung (1932), Kasimir und Karoline (1932)
Walter Serner: Die Tigerin / Andre Breton: Nadja (Surrealismus)

Donnerstag, 2. Februar 2017

Der Tod in Venedig: Das 5. Kapitel (97-139)

Sprechen Sie über den Verlauf des Kapitels, die einzelnen Szenen und Abschnitte, und versuchen Sie dabei, die folgenden Stichworte sinnvoll einzubringen:


schweigen
Abgott
Heroismus
berauscht
Selbstbetrug
Karbolgeruch
grotesker Rundmarsch
Kitzel
Der fremde Gott
wüster Triumph
Psychagog


Der Tod in Venedig (1911/12)



Eine schöne Einführung aus einer gewissen Übersicht heraus finden Sie in dieser Rezension und ein bisschen ausführlicher ist diese Übersicht.

Eine kritische Nachlese aus dem Jahr 2012 aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) finden Sie hier.


Außerdem: ein kleiner Ausschnitt aus einer bekannten Verfilmung von Luchino Visconti (1971), in der die Musik Gustav Mahlers eingesetzt wurde, einem der historischen Vorbilder der Hauptfigur Gustav von Aschenbach (nebst dem Opernkomponisten Richard Wagner).




Bild aus einer Theaterproduktion, die von 2013 bis 2015 in der Berliner ›Schaubühne‹ lief 
meine Rezension dazu

Platon: Phaidros, 251

(251) Wer aber noch frische Weihung an sich hat, und das damalige vielfältig geschaut, wenn der ein gottähnliches Angesicht erblickt oder eine Gestalt des Körpers, welche die Schönheit vollkommen darstellen: so schaudert er zuerst, und es wandelt ihn etwas an von den damaligen Ängsten, hernach aber betet er sie anschauend an wie einen Gott und fürchtete er nicht den Ruf eines übertriebenen Wahnsinnes, so opferte er auch, wie einem heiligen Bilde oder einem Gotte, dem Liebling. Und hat er ihn gesehen, so überfällt ihn wie nach dem Schauder des Fiebers Umwandlung und Schweiß und ungewohnte Hitze. Durchwärmt nämlich wird er, indem er durch die Augen den Ausfluß der Schönheit aufnimmt, durch welchen sein Gefieder gleichsam begossen wird. Ist er nun durchwärmt, so schmilzt um die Keime des Gefieders hinweg, was schon seit lange verhärtet sie verschloß und hinderte hervorzutreiben. Fließt aber Nahrung zu, so schwillt der Kiel des Gefieders, und treibt hervorzutreten aus der Wurzel überall an der Seele, denn sie war ehedem ganz befiedert. Hiebei also gährt alles an ihr und sprudelt auf, und was die Zahnenden an ihren Zähnen empfinden, wenn sie eben ausbrechen, Jucken und Reiz im Zahnfleisch, eben das empfindet auch die Seele dessen, dem das Gefieder hervorzubrechen anfängt, es gährt in ihr, und juckt sie, und kitzelt sie, wenn sie das Gefieder heraustreibt. Wenn sie also auch die Schönheit des Knaben sehend und die davon ausströmenden und sich losreißenden Teile, die deshalb Reize heißen, in sich aufnehmend den Reiz befruchtet und erwärmt wird: so hat sie Linderung der Schmerzen und ist froh. Ist sie aber getrennt von ihm und wird trocken: so hemmen wieder die Mündungen jener Auswege, wo das Gefieder durchbricht, indem sie sich zusammenschrumpfend schließen, den Trieb des Gefieders. Dieser also mit dem Reiz eingeschlossen hüpft wie die schlagenden Adern, und sticht überall gegen die ihm bestimmten Öffnungen, so daß die ganze Seele von allen Seiten gestachelt umherwütet und sich abängstet; hat sie aber wieder Erinnerung des Schönen, so frohlockt sie. Da nun beides so mit einander vermischt ist, bangt sie sich über einen so widersinnigen Zustand, und aus dieser Unruhe gerät sie in Geistesverwirrung, und bei diesem Wahnsinn kann sie weder des Nachts schlafen, noch bei Tage irgendwo ausdauern, sondern sehnsüchtig eilt sie immer dahin, wo sie den, der die Schönheit besitzt, zu erblicken hofft. Hat sie ihn nun gesehen, und sich neuen Reiz zugeführt: so löst sich wieder auf, was vorher verstopft war; sie erholt sich, indem Stiche und Schmerzen aufhören, und kostet wieder für den Augenblick jene süßeste Lust. (252)


Dienstag, 8. November 2016

Literaturgeschichte: Vom Frührealismus über den Realismus zum Naturalismus (ca. 1830-1890)

also: 
Beim Unterricht zur Literaturgeschichte geht es für uns im Moment darum, die Lücke zwischen Büchner und Hauptmann (376f.) zu schließen, d.h. zwischen der Epoche des Frührealismus (inkl. Vormärz und Junges Deutschland), und des Naturalismus (372f.). Im Reclam-Buch sind das die Seiten 342-377.
Zur Epoche des Frührealismus zählt man neben Büchner, den Sie bereits etwas kennen, unter anderem berühmte Autoren wie Heinrich Heine (332ff.) oder Annette von Droste-Hülshoff (345).
Zur Epoche des Realismus (356ff.) gehören so große Namen wie Gottfried Keller (362f.), Theodor Fontane (368f.) und Theodor Storm.
Interessant sind Querbezüge zur französischen, englischen und russischen Literatur.
Es geht auch um Textsorten wie den Historischen Roman (346f. ), Reportage & Gesellschaftsroman (352f. sowie 370f.), Novelle (360f.) und Bildergeschichte (366f.), außerdem um Themen wie die Bedeutung Amerikas (348f.), Zeitschriften (358) oder die Entstehung des ersten deutschen Kaiserreichs (364f.).

Auftrag:
Besprechen Sie zu zweit die Kapitel, die Sie lesen, um das gelesene etwas zu verarbeiten und dadurch Ihr Verständnis zu vertiefen. 
Entscheiden Sie selbst, welche Kapitel Sie in welcher Reihenfolge lsen wollen.
Googeln Sie, was Sie glauben, nicht zu verstehen.  
Arbeitstechnik:
Im Buch Stellen markieren und sich nebenbei zu jedem kapitel ein paar Thesen notieren, die Ihnen beim Erinnern helfen. 

Dienstag, 18. Oktober 2016

Frühling der Barbaren

Gruppen zu viert + eine Gesprächsleitung

erstmal frei darüber sprechen lassen

Welche Bilder oder Szenen sind Ihnen am lebhaftesten in Erinnerung?
Welche Inhalte mögen Sie am besten, welche am wenigsten? und warum?

Ist es ein politisches Buch?
Wogegen richtet sich die Novelle? Was will sie kritisieren?
Spielt es eine Rolle, dass sich Preising in einer Klinik aufhält?

Das Bild von Marokko?
Rolle der Schweiz?

Die drastische Brutalität? Funktion?

beweglich mit Begriffen umgehen: Alternativen

Es gibt einige Menschen, die sehr tierlieb sind, und keinen generellen Menschenhass aufweisen.

Nicht jeder tierliebe Mensch hasst Menschen.

Beispiel 2
In seltenen Fällen fangen sie vielleicht auch an, die "Tierschänder" zu hassen, doch ein allgemeiner Menschenhass entsteht dabei nicht.


In seltenen Fällen beginnen sie vielleicht die Tierschänder zu hassen, doch deshalb hassen sie nicht gleich alle Menschen.

… deshalb hassen sie nicht gleich die Menschen an sich.


Beispiel 3
Dazu müssen sie mit anderen Menschen reden und ihnen ein bisschen Tierliebe ans Herz legen, ohne ihnen gleich die Kehle aufzuschlitzen.

Alternative:
Dazu müssen sie bei ihren Mitmenschen für mehr Solidarität mit Tieren werben.
Dazu müssen sie bei ihren Mitmenschen dafür werben, dass sie sich mehr mit den Rechten von Tieren beschäftigen.

Beispiel 4
Hätte eine Person einen Menschenhass, müsste sie sich selbst genauso hassen …

Wer Menschen hasst, müsste konsequenterweise auch sich selber hassen.
Müsste, wer Menschen hasst, nicht konsequenterweise sich selber auch hassen?


Beispiel 5
Menschen, deren Daseinsberechtigung vor allem Menschenhass ist, sind eine fragwürdige Kategorie.

Alternativ: (die Hauptaussage ist nicht ganz klar)
Ich frage mich, ob es überhaupt Menschen gibt, die alle Menschen hassen.
Gibt es tatsächlich Menschen, deren Weltbild auf Menschenhass beruht?

Problem:
Nomenlastiger Stil = schwerfälliger Stil

Nicht an schwerfälligen Begriffen festhalten (z.B. Menschenhass)

Es gibt einige Menschen, die sehr tierlieb sind, und keinen generellen Menschenhass aufweisen.

Beispiel 2
In seltenen Fällen fangen sie vielleicht auch an, die "Tierschänder" zu hassen, doch ein allgemeiner Menschenhass entsteht dabei nicht.

Beispiel 3
Dazu müssen sie mit anderen Menschen reden und ihnen ein bisschen Tierliebe ans Herz legen, ohne ihnen gleich die Kehle aufzuschlitzen.

Beispiel 4
Hätte eine Person einen Menschenhass, müsste sie sich selbst genauso hassen …

Beispiel 5
Menschen, deren Daseinsberechtigung vor allem Menschenhass ist, sind eine fragwürdige Kategorie.

Montag, 17. Oktober 2016

Aufsatz: Ausdruck, Wortschatz, Stil (1)

Personen und Menschen


Wo wird die Vokabel am meisten gebraucht?
Beispiele aus dem offiziellen Bürokratensprech:
Personennahverkehr / Personenaufzug / Personalliste / Personalien / Personalausweis / Personenschaden etc.

Also sucht man die nächstbeste Person, die sich ebenso einsam fühlt.
Lösung: Mensch, jemand
Also sucht man sich den nächstbesten Menschen, der sich ebenso einsam fühlt.
Also sucht man sich jemanden, der sich ebenso einsam fühlt.

analog: Beispiel 2

Ich kann eine Person verstehen, die traurig ist, weil gerade ihr Haustier gestorben ist […] Das liegt daran, dass diese Person eine stärkere Bindung zum Haustier aufgebaut hat als zu den Menschen.

Beispiel 3:
Wenn bei einer Person ein Angehöriger oder eine Angehörige stirbt, ist diese traurig.

Beispiel 4:
Personen, welche sich selbst hassen, sind suizidgefährdet, denke ich.

Beispiel 5:
Ich fühle mich unwohl, wenn ich von Personen umgeben bin, die ich kenne.

Beispiel 6:
Meiner Meinung nach zeigt nicht jeder seine Liebe zu einer Person gleich.

Beispiel 7:
Mich trifft es häufiger als viele andere Personen, die ich kenne, weil ich Vegetarier bin.

Dienstag, 6. September 2016

Nachruf & Beziehung Goethe - Lenz

Nachruf von Friedrich Schlichtgroll

  • "Er starb, heisst es, von wenigen betrauert und von keinem vermisst."
  • Schlichtgroll berichtet über Lenzens Enthusiasmus für das Theater.
  • Er schreibt Lenzens ungewöhnliches Verhalten verletztem Stolz zu und beschreibt diesen als seinen grössten Makel.

Beziehung Goethe - Lenz

  • Goethe und Lenz waren "Freunde".
  • Goethe empfand sich durch seine Berühmtheit als Lenzens Gönner, es ist ihm zu verdanken, dass Lenz überhaupt veröffentlicht wurde.
  • Goethe hatte einen gewissen Respekt für manche von Lenzens Werken, jedoch spürt man auch hier eine bestimmte Herablassung; er behauptet beispielsweise, dass Lenz nur vorgibt verliebt zu sein.
  • Auch zweifelt er an Lenzens Militärkenntnissen, obwohl dieser diese Erfahrungen aus erster Hand hat.
  • Im Allgemeinen denkt er, Lenzens Beweggründe vollkommen durchschaut zu haben.
  • Im Gegensatz dazu wird allgemein angenommen, dass Goethe es veranlasst hat, dass Lenz des Landes verwiesen wurde.
  • Goethe dachte, er sei das Objekt von Lenzens imaginärem Hass, möglicherweise wegen Friederike (Goethes nicht-Geliebte).

Montag, 5. September 2016

Zwei Beiträge zu Lenz: von Paul Landau und von Arnold Zweig

8: Paul Landau: Georg Büchners Leben und Werke

Landau lobt Büchner über seine Innovation über die Seelenstimmung. Er findet die Art des Schreibens, wie ein Kranker sich fühlt, sehr gelungen. Büchner hat Schreibtechniken von Tieck im Bereich der Naturbeschreibungen angewendet und diese mit seinen persönlichen Krankheitserfahrungen verknüpft. Somit gelang ihm zum ersten Mal eine Verbindung einer psychisch leidenden Person (Lenz) mit der Natur.

9: Arnold Zweig: Versuch über Georg Büchner

Büchners Schreibstil ist einmalig, da er seine eigenen Erfahrungen widerspiegelt, sodass es aussieht, als ob Büchner selbst spricht und nicht Lenz. Sein Schreibstil unterscheidet sich deutlich von zeitgenössischen Texten. Mit Lenz erschafft Büchner einen Dichter als Gestalt. Büchner lässt diese Figur wahnsinnig werden, zu krank ist zu innerem Widerstand und innerlich ganz tot.  


Von Joel Meier, Matthias Hauck und Benjamin Huber

Samstag, 3. September 2016

Willhelm Mayer und Gerhard Irle: Kommentare zu Büchners Lenz

Wilhelm Mayer: Zum Problem des Dichters Lenz


Das Eintauchen in die Seele des Dichters Lenz zeugt von tiefem Verständnis und Einfühlungsvermögen. Denn auch Büchner selbst scheint ein wenig unter denselben Qualen wie Lenz gelitten zu haben. Mayer findet es erstaunlich in welchem hohen Masse sich der Dichter in den Mechanismus der beginnenden schizophrenen Veränderungen, in die Qual des Erkrankten und in den Wechsel von depressiven und vergleichsweise normalen Stimmungen einfühlen kann. Er erwähnt auch, dass dieses Stück (diese Erzählung) wichtig für die Schizophreniefrage (die Erforschung der Schizophrenie) ist. Veränderungen während dem Prozess der Schizophrenie (der Erkrankung / beim Durchlaufen der Erkrankungsstadien) finden nicht nur im Gehirn statt, sondern man gewinnt auch einen verständlichen Eindruck von anderen Formen der Schizophrenie in Büchners Lenz.


Gerhard Irle: Büchners Lenz. Eine frühe Shizophreniestudie


Die Phänomene der Schizophrenie werden laut Gerhard Irle auf eine klassische, dennoch auch distanzierte und wissenschaftliche Art und Weise erläutert. Gerhard Irle beschäftigt sich in seinem Kommentar zur Novelle mit einigen Passagen des Werks und kommentiert diese. Auch beschreibt er Büchners Schreibart, welche auch als Vorläufer modernen Bemühungen gilt, als ein wesentliches Stilmittel, mit welchem er die Möglichkeit hatte, die Krankheit deutlich zu beschreiben. Er beschreibt die Welt aus der Sicht eines erkrankten Menschen und schildert verschiedenste Gedankenabläufe, die weit über eine Grenze zu gehen scheinen, aber trotzdem zeitweilig in unsere Welt zurückzukommen.

„Müdigkeit spürt er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte.“ (S.7, Zeile 10-12)
Die ersten Sätze, welche Lenz auf dem Weg durch das Gebirge beschreiben, werden mit Gelassenheit geschrieben. Büchner stellt das Ungeheuerliche einer psychischen Krankheit dar wie ein alltägliches Geschehnis wie zum Beispiel der Regen.

„..ein dunkler Instinkt trieb ihn, sich zu retten. Er stiess an die Steine, er riss sich mit den Nägeln; der Schmerz fing an, ihm das Bewusstsein wiederzugeben.“
„Sein Zustand war indessen immer trostloser geworden. Alles, was er an Ruhe aus der Nähe Oberlins und aus der Stille des Tals geschöpft hatte, war weg; die Welt, die er hatte nutzen wollen, hatte einen ungeheuren Riss, er hatte keinen Hass, keine Liebe, keine Hoffnung – eine schreckliche Leere und doch eine folternde Unruhe, sie auszufüllen. Er hatte nichts.“


An diesem Beispiel und weiteren die in der Novelle folgen, wird es verständlich, dass das Ziel seiner vielen Suizidversuche und später immer mehr die frustranen Bemühungen die Linderungen seiner Qualen und nicht der Tod ist.

Donnerstag, 1. September 2016

Kleine Zusammenfassung s.92-99


Karl Gutzkow (Quelle 5 s.92)


Der Text besteht aus der Einleitung und dem Nachwort Gutzkow’s Gutzkows über die zur ersten Auflage von Büchner’s Büchners Lenz ›Lenz‹.
Trotz zusätzlichenr Recherchen bleibt Büchner’s Büchners zweite Dichtung ein Fragment. Dieses wird aber als Meisterwerk Büchner’s Büchners von Karl Gutzkow gelobt, wobei insbesondere die Naturschilderungen und Seelenmalereien erwähnt werden. Büchner offenbart offenbare eine reproduktive Phantasie, die man so noch nie gesehen hat.

Georg Gottfried Gervinus (Quelle 6 s. 94)


Dieser Text behandelt die Person Jakob Michael Reinhold Lenz sowie ihre/seine Werke aus der Sicht von Georg Gottfried Gervinus. Lenz fiel mit seinen Werken vor allem durch ihre Art, kritisiert zu werden, deren Gesellschaftskritik auf. Er besang schon früh Plagen wie Krieg, Hunger und Pest, was ihm bei dem damaligen Publikum zuerst Protest einhandelte. Trotzdem galt er in Göthes Goethes Kreisen als Genie. Lenz’ Eifersucht auf den immer erfolgreicher werdenden Göthe wuchs, da als Lenz’ Leistung abnahm (das ist eine unklae Wertung – Vorschlag: "als Lenz Produktivität nachließ"). Seine Stücke blieben auf Grund ihrer Explosivität bis heute bekannt.

Julian Schmidt (Quelle 7 s. 96)


Der Text ist eine Rezension von dem des deutschen Literaturhistorikers Julian Schmidt.

Büchner stirbt mit 24 Jahren in Zürich. Seine Texte werden in dieser Quelle von Julian Schmidt diskutiert. Die Erzählung des Lenz ›Lenz‹ wird wegen ihrer guten vorangegangenen Recherche (Büchners sorgfältiger Recherche) gelobt, allerdings meint Schmidt auch, dass sie nur eine Spiegelung Büchners Stimmung dieser Zeit sei.

Dienstag, 30. August 2016

Oberlins Geschichte (63-77)

Oberlins Tagebuch ist zwar wertend geschrieben, aber es klärt die ganze Lenz Geschichte von Büchner auf (es füllt Lücken, die Büchner in seiner Erzählung zulässt). Er schreibt oft von sich selbst, wie er über Lenz denkt, und weniger, wie Lenz sich fühlt. (Das ergibt sich ja aus seiner Ich-Perspektive)
Man bekommt die Geschichte von einem "gesunden" Gehirn erzählt. Man erkennt auch Passagen die sehr wohl in Büchners Lenz Erzählung wortwörtlich vorkommen.  Jedoch merkt an auch, wie viel in Büchners Text weggelassen worden ist. Der Schluss ist in Oberlins Eintrag viel länger und ausführlicher beschrieben, während in "Lenz" alles unklarer wird. Somit werden seine unzähligen Selbstmordversuche (die erwähnt Büchner allerdings) und seine Gefühlsattacken gegenüber Frauen  bekannt.

Wortwörtliche Beispiele:
Seite 68 zweiter Absatz
Seite 70 zweiter Absatz

Unterschiede findet man vor allem am Ende.


Literaturgeschichte, Empfindsamkeit; Briefroman; Werther

Empfindsamkeit: Texte die das Mitgefühl anderer erwecken wollen. Diese Strömung kam Ende 18. Jahrhunderts auf während der Epoche des Sturm und Drangs. Ein gutes Beispiel ist Lessing und Goethe. Briefroman: Das ist eine Romanform im 18. Jahrhundert. Sie steht für Subjektivität, Authentizität um seelische Zustände und Vorgänge zu veranschaulichen. Ein gutes Beispiel ist “Die Leiden des jungen Werthers. “ Werther: Roman die Leiden des jungen Werthers ist 1774 erschienen. Wurde kritisiert, da Goethe den Suizid als einzigen Ausweg aus der schlechten Welt bezeichnet hat. der Aufklärer Nicolai hat “die Freuden des jungen Werthers” geschrieben in diesem Roman gab es ein Happyend und er scheiterte am Suizid. Als die Gesellschaft 2 Jahrhundert später bereit war wurde der Roman “die neuen Leiden des jungen Werthers” geschrieben.

Reclam Buch, Joëlle, Viviane, Manuel

Die Leser und das Lesen - S.226/227
  • strenge Zensur
  • Latein und erbaulich-Religiöse Literatur verloren an Bedeutung
  • Literatur zur “Unterhaltung”
  • Leihbibliothek und Lesegesellschaften
  • von “intensiven zu extensivem” Lesen
  • Kinder:
    • ‘nicht professionelles’ Lesen
  • Männer:
    • Zeitungen
    • Magazine
    • Sachbücher
  • Frauen:
    • “Schöne” Literatur

Sturm und Drang - S.230/231
  • literarische ’Jugendbewegung’ (Höhepunkt 1770)
  • grössere Autonomie
  • Freiheit des Individuum
  • Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung
  • Veränderung der Sichtweise auf eine einschränkende, radikale Gesellschaft
  • Rebellion gegen französischen Klassizismus
  • Genieästhetik in Kunst
  • Versöhnung von Gefühlen und Vernunft

Jakob Michael Reinhold Lenz - S.238/239

  • Doppelt berühmt:
    • eigene Werke
    • Hauptperson in anderen Werken
  • Bekannt für Dramen, offen und wirklichkeitsnah
  • Komplexe, exzentrische, schwierige Persönlichkeit
  • Geschädigter Charakter zurückzuführen auf Kindheit
  • Sah sich zusammen mit Goethe als Erneuerer der deutschen Literatur
  • Büchner:
    • Interessiert an Lenz Charakter
    • Recherchebeginn: 1835
    • Grenzen von Innen- und Aussenwelt, von Vernunft und Wahnsinn

August Stöber: Der Dichter Lenz (4. Quelle Seite 85-92)

Stöber schreibt im allgemeinen über das liefert Einzelheiten zum Leben von Jakob Michael Reinhold Lenz. Er beschreibt dieses als eher traurig, von vielen Misserfolgen geprägt und zeigt auch Lenz's emotionale Seite, vor allem, wie er sich fühlte, als Goethe aus Strassbourg wegging und wie er (Lenz? Goethe?) seine Liebe (wie ist das zu verstehen?) verliess (Friederike Brion) und wie ihn das fertig machte. Aber er zeigt auch die guten Seiten in Lenzens Lenz' Leben, wie zum Beispiel die Zeit, als Goethe noch in Strassbourg war, dem Ort, in welchem Lenz studierte. In dieser Zeit arbeitete dieser viel und publizierte auch einige Übersetzungen und Analysen von bekannten Texten, genauso wie Analysen derselben. Er beschreibt auch wie er noch Nachdem er das Steinthal verlassen hatte, begann er noch eine Schusterlehre begann und den Tod von Lenz in Moskau, wo sich niemand mehr darum kümmerte ob er lebte oder tot war.
Stöbers Quelle waren Briefe von Lenz selbst, somit konnte er gut nachvollziehen, was Lenz dachte und fühlte, da er dies niedergeschrieben hatte.

Donnerstag, 25. August 2016

Leseaufträge: Aufsätze zu ›Lenz‹ und Literaturgeschichte

Aufsätze zu Lenz im Anhang

63-76 Oberlin (Mirja, Anouk, Carmen)
77-84 Schlichtgroll,  Goethe (Sarah, Julia, Julia)
85-92 Stöber (Julian, Stefan)
92-99 Gutzkow, Gervinus, Schmidt (Patrick, Sami)
99-108 Landau, Zweig (Matthias Hauck, Joel, Benjamin Huber)
110-120 Mayer, Irle (Cyra, Matthias Huber)

Reclam Literaturgeschichte

Manuel, Joelle, Viviane

S. 226f. Literaturbetrieb, Lesesucht. Lesegewohnheiten
230f. Sturm-und-Drang
S. 238f. Jakob M.R. Lenz

Sandra, Melissa, Kathrin

240f. Empfindsamkeit
242f. Briefroman
244f. Werther

Mittwoch, 24. August 2016

Nach dem ›Kunstgespräch‹: Der Krankheitsverlauf von Lenz in 12+ Stationen anhand der von Büchner beschriebenen Symptome

19 Zwei Momente bringen Lenz an den Rand: 1. Kaufmann bringt Lenz' Vater ins Gespräch. 2. Oberlin beschließt abzureisen
Aufruhr, Lenz bittet um Ruhe, die er gerade erst wieder gefunden habe im Steintal (1)

20ff Lenz wandert einsam. Das spastische Mädchen in der Hütte. Der unheimliche Fremde, der sie mit Gebeten und Kräutern und esoterischen Mitteln zu heilen versucht. (2)

23 Mme Oberlins Lied bringt ihn auf das Schicksal Friederike Brions (47). Seine Schuldgefühle. (3)

24 Lenz als Büßer in Sack & Asche, fastet und bittet Gott um ein Zeichen. Das tote Mädchen in Fouday, seine größenwahnsinnige Idee, sie zum Leben zu erwecken. Er verzweifelt, fühlt sich von Gott verspottet. (4)

25 verfällt in Atheismus (5)

26 Oberlins Rückkehr. Seine erneuten Schuldgefühle betreffen nun auch seine tote Mutter.

27 Er bittet Oberlin, ihn auszupeitschen. Flagellare. (6) 

27f. Nächtlicher Aufruhr, dann Ennui, Langeweile, Gottesferne: Monolog des Ennuis (7)

28 Fragt sich, ob er träumt oder wach ist, erneuter Suizidversuch, erscheint bei Oberlin, Gesicht in Asche (8)

28f. Besucht das tote Mädchen in Fouday. Panikattacke auf dem Heimweg, versucht seine Begleiter abzuschütteln. Betet auf Oberlins Rat hin die ganze Nacht durch. (9)

30 Depression, Bild vom Riss in der Welt, Verdoppelung, redet zu sich selber (10) Angstattacken, versetzt sich in andere, bis er denkt, er sei sie. (11)

31 Alles außer Oberlin scheint ihm kalt, er hat Inception-Fantasien, grimassiert, Duell mit der Katze, Wahnsinn packt ihn. (12) Er denkt, die Welt existiere nur in seinem Kopf und er sei der Satan (13)

32 Er klagt, dass Gott das Leiden nicht beende, macht halbgare Suizidversuche, der Schmerz soll ihm zum Bewusstsein verhelfen (14)

33 fast nackt bleibt er auf dem Bett liegen, isst nichts mehr, er scheint äußerlich erst normal, dann klagt er über die schreiende Stille (15)

34 Seine Fühllosigkeit, Agonie, Apathie, als er nach Straßburg gebracht wird